Selbsthilfegruppe AUTISMUS

im Main Kinzig Kreis

WISSENWERTES

Was ist Autismus überhaupt?

Was macht den Umgang mit Autismus so schwierig?

Wie könnte ein barrierfreies Umfeld für Autisten aussehen?

Was wünschen Betroffene sich von der Gesellschaft?

Was ist Autismus überhaupt?

…das Klischee eines autistischen Menschen besagt, dass er sich nur für sich selbst interessiert und nicht für andere. Er würde sich niemals nach Gesellschaft sehnen und hat auch keine Gefühle. Dieses Klischee trifft nicht zu. Es ist schlichtweg ein Vorurteil. Im Gegenteil Menschen mit Autismus fühlen manchmal mehr, können es nur nicht zeigen, wollen dazugehören, Freunde haben nur zwischen wollen und können steht eine großes Hindernis. Eine andere Wahrnehmung. Eine andere Sprache. Menschen mit einer Autismus-Spektrum Störung nehmen anders wahr, denken und fühlen anders. Zumindest in manchen Bereichen, nicht in allen.
Was bedeutet das genau? Und welche Auswirkungen hat das auf den Alltag?
Einem Autisten fällt es schwer, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und andere Blickwinkel zu berücksichtigen.
Sie können sich also ganz oft überhaupt nicht vorstellen, was eine andere Person denkt, wahrnimmt oder fühlt.
Und Wenn jemand nicht auf die Gedanken und Gefühle anderer Personen schließen kann, dann fällt es ihm auch schwer, deren Absichten und Handlungen zu verstehen.
Außerdem haben Menschen mit Autismus Probleme, sich auf Veränderungen einzustellen und benötigen eine klare Struktur und eine Handlungsplanung.
Bei Menschen mit Autismus automatisieren sich Handlungen einfach nicht. Fehlende Struktur und Veränderung führen immer zu Unsicherheit.
Menschen mit Autismus entgehen oft die Zusammenhänge und sie konzentrieren sich ganz stark auf Details.
Wenn beispielsweise auf einem Foto ein Bett abgebildet ist und darauf ein großes Kissen liegt, das aus irgendeinem Grund eingeschnürt ist, dann erkennst Du als neutrotypischer Mensch trotzdem ein Kissen, da auf einem Bett normalerweise Kissen und Decken liegen.
Ein Autist würde auf die Idee kommen, dass da möglicherweise eine Nudel liegt. Anstatt also einen Wald zu sehen, schauen sie jeden einzelnen Baum an. Sie sind so auf die Einzelreize, also die Details konzentriert- (welche wir oft übersehen), dass sie dadurch manchmal gar nicht merken, dass Ähnlichkeiten zwischen Dingen und Situationen bestehen,- die allerdings für den Alltag entscheidend sind. Durch den fehlenden Überblick fehlt auch Orientierung, was wiederum schnell verunsichert.
Eine weitere große Herausforderung für einen Autisten ist es, dass alle Reize gleich stark ankommen und auch nicht nach Wichtigem und Unwichtigem gefiltert werden können.
Das ist auch der Grund, warum es zu sogenannten Reizüberflutungen kommen kann. Ein Autist ist dann hoffnungslos überfordert und fängt möglicherweise an zu schreien.
Wenn ich aber für einen Autisten vorab im Alltag so viel Sicherheit wie nur möglich schaffe (zB durch Struktur -Tagespläne), können Betroffene relativ gut noch vorhandene andere Hürden kompensieren, so dass sie quasi in die Gesellschaft „reinpassen.“
Kompensieren zu können heißt allerdings für Autisten eine Maske zu tragen, sie sind nicht sie selbst sondern sie kopieren neurotypisches Verhalten. Eine Maske zu tragen heißt dann, zum einen dazugehören zu können, weil ich neurotypische Signale versende, -zwar nicht intuitiv aber „scheinbar“, um nicht ausgegrenzt zu werden, und zum anderen gibt es ihnen in sozialen Situationen eine Orientierung, aber….
ist es nicht eigentlich total traurig? Denn so ein Tragen einer Maske führt auch zu weitreichenden psychischen Kosequenzen wie bspw. Depressionen, BurnOut uvM. Wäre es also nicht viel schöner autistische Menschen zu unterstützen anstatt sie passend zu machen? Bspw durch ein barrierefreies Umfeld wo man sich nicht für seine Andersartigkeit erklären muss. Wir flattern ja auch nicht als Vögel durch die Welt obwohl wir keine Vögel sind. …

Was macht den Umgang mit Autismus so schwierig?

Der Alltag holt einen ein. Erst im Laufe der Zeit hat sich bei mir und meiner Familie ein Bewusstsein dafür entwickelt, was Autismus eigentlich ist.
Damit meine ich nicht die klinische Diagnose, die durchaus wichtig ist, oder Strategien für therapeutisches Einwirken.
Vielmehr ist es das Bewusstsein darüber, wie Autismus meinen Alltag und unser Leben verändert und wie das “Anders-Sein” meiner Tochter mich herausfordert, mein Denken und mein Handeln zu hinterfragen.
Es geht letztlich darum zu verstehen, was genau die Herausforderungen sind.
Was möchte ich als Mutter eigentlich erreichen?
Geht es mir darum, dass mein Kind sich konform meiner Anforderungen verhält, oder geht es darum, dass wir gemeinsam als Familie gut und harmonisch leben, so dass jeder seinen Platz hat?
Welchen positiven Einfluss kann ich auf die Förderung und die Selbstständigkeit meines Kindes nehmen?
Der Alltag holt einen immer wieder ein.
Die ersten Jahre waren ziemlich anstrengend. Meine Tochter verhielt sich völlig anders als andere Kinder und das machte den Familienalltag, der Aufwand für alltägliche Dinge, das ständige Anpassen, die gefühlte Isolation und, und, und… so schwer.
Da hilft erstmal wenig Rat von außen.
Selbstzweifel und Fragen kamen auf.
Ich war überhaupt nicht ausgebildet für “Sonderpädagogik”.
Außer meine mütterliche Intuition brachte ich nichts mit und die Frage war eben, liege ich damit immer richtig mit dem, was ich tue. Natürlich nicht, denn ich sprach ja eine komplett andere Sprache. Zunächst zumindest.
Mich überwältigte das alles.
Im Laufe der Zeit habe ich mir eine eigene Strategie angeeignet, die mir und uns geholfen hat, ein gutes Leben zu führen. Ich würde sagen, dass diese Strategie bedürfnisorientiert ist. Ich habe Autismus lesen und verstehen gelernt.
Es ergeben sich zwar im Laufe der Jahre immer wieder neue Herausforderungen und auch Veränderungen im Umgang mit Autismus bei meiner Tochter. Aber wir wissen jetzt, dass es für jede Herausforderung auch eine Lösung gibt, die wir gemeinsam erarbeiten, da wir ja endlich die gleiche Sprache sprechen können. -Marina-

Wie könnte ein barrierfreies Umfeld für Autisten aussehen?

Häufig beschränken sich Maßnahmen zur Barrierefreiheit auf Hilfen für Menschen mit Gehbehinderungen da sie sich für den Personenkreis leicht definieren und vergleichsweise gut umsetzen lassen. Aber auch Menschen mit Autismus sind im alltäglichen Leben zahlreichen Hürden ausgesetzt die ihre Teilhabe, ihr Wohlbefinden, und ihre Gesundheit einschränken oder gefährden. Es ist daher wichtig, auch für autistische Menschen Maßnahmen zur Barrierefreiheit zu definieren und auch einzufordern. natürlich sind die bestehenden Schwierigkeiten bei jedem Betroffenen unterschiedlich aber einige allgemeine Hilfen, teils sogar sehr einfach umzusetzen , sollten angeregt werden um den Alltag auch für Menschen mit Autismus einfacher und lebenswerter zu machen. Zb durch visuelle Hilfsmittel (Beschilderung, Beschriftung von öffentlichen Anlagen, Markierungen. Symbole) Verringerungen akustischer Reize(Kopfhörer, unvermeidbarer Lärm ankündigen), Verwendung klarer, unmissverständlicher einfacher Sprache, keine Redewendung benutzen, Strukturen im Alltag, erklären bin Mimik und Gestik etc.
Zusammenfassend kann man sagen, wir können mit Vorhersehbarkeit, Planbarkeit, Logik und klarer Sprache autistischen Menschen enorm im Alltag weiterhelfen.

Was wüschen Betroffene sich von der Gesellschaft?

Das ein Autist oder der Angehörige sich nicht für die Andersartigkeit / die Andersartigkeit seiner Kinder erklären muss und vor allem das die Diagnose von der Gesellschaft nicht so bagatellisiert wird, was leider häufig geschieht.
Es kommen oft aussagen, wie „Mein Kind macht das Genauso“, oder „dann ist es wohl auch autistisch“. Oder „ich kenne das, es ist doch nichts besonderes.“
Solche Äußerungen zu hören frustriert viele Autisten oder Eltern.
Autismus kann man nicht auf den „ersten Blick“ erkennen und es ist auch keine Diagnose die man einfach mal so bekommt oder die man mal „ein bisschen“ haben kann. Vieles was Autismus ausmacht ist nach außen hin nicht sichtbar und nicht jeder trägt seinen situativen oder dauerhaften Leidensdruck nach außen. Viele passen sich an und kompensieren bis es nicht mehr geht. Bis sie dann hinter verschlossener Tür zusammenbrechen.
Ein Autist steht also unter dem ständigen Stress, der Gesellschaft nachzukommen. Ich finde es ist an der Zeit, als Gesellschaft autistischen Menschen entgegenzukommen.
Entgegenkommen können wir mit Akzeptanz, Anerkennung der Fähigkeiten, Förderung von Autisten und Weiterverbreitung von Wissen über diese ganz besondere Störung, deren Forschung ja fast noch in den Kinderschuhen steckt.